Kein Schlussstrich!

In Zusammenarbeit mit dem Theater Heilbronn im Rahmen des bundesweiten Theaterprojekts „Kein Schlussstrich!“ zum NSU-Komplex

Ab Oktober

6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage – die Morde des NSU


25. Oktober um 19.30 Uhr

FSK ab 12 freigegeben

In „6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage“, dem Zeitraum, in dem der „Nationalsozialistische Untergrund“ zehn Morde gegenüber Migranten und einer deutschen Polizistin verübt haben, nähert sich der Regisseur essayistisch in lyrischem Schwarz-Weiß dieser unvergleichlichen rechtsextremistischen Mordserie ausschließlich mit Bildern der zehn Tatorte in einer visuellen kardiographischen Vermessung. Die Orte als stumme Zeugen der Anklage, der Reflexion und Erinnerung. Diese Bilder werden ergänzt von einer Textcollage, bestehend aus Zeitungsmeldungen, Ermittlungsprotokollen, Prozessaussagen, den Statements von Hinterbliebenen und Fachleuten – gelesen von Schauspielern des Berliner Ensembles – die wiederum eingebettet werden in eine Musik-Ton-Komposition des Berliner Musikers Elias Gottstein („Guaia Guaia“). Die Orte treten in den Dialog mit den Stimmen der Hinterbliebenen, der Ermittlungsbehörden, der Presse und finden ihren Widerhall in einem tonalen und musikalischen Reflexionsraum.

WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK


26. Oktober um 19.30 Uhr

FSK ab 12 freigegeben

Rostock-Lichtenhagen in den 1992ern: Perspektivlos und gelangweilt hängen die Jugendlichen ab. Auch Stefan, Sohn eines Lokalpolitikers, ist mit seiner Clique vor Ort und sie wissen nur, dass ihr Zorn ein Ventil braucht. Schon länger gärt die schlechte Stimmung zwischen den Ansässigen und den „Neubürgern“, den Vietnamesen, im Sonnenblumenhaus. Und dann bricht das Feuer aus…

ALMANYA


30. Oktober um 19.30 Uhr

Veranstaltung zum 60. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens

Vor fast einem halben Jahrhundert ist Hüseyin (Vedat Erincin) als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Mit der Frage nationaler Identität haben seine Sprösslinge bis heute zu kämpfen – etwa seine 25-jährige Enkeltochter Canan (Aylin Tezel), die keinen Schimmer hat, wie sie ihrer Familie erklären soll, dass sie schwanger von einem Briten ist. Oder deren 6-jähriger Cousin Cenk (Rafael Koussouris), der an seinem ersten Schultag weder in die deutsche, noch in die türkische Fußballmannschaft gewählt wird. Dann überrascht Hüseyin seine Familie mit seinem Vorhaben, in die türkische Heimat zurückzukehren – und seine ganze Sippe mitznehmen. Begeisterungsstürme löst er damit nicht aus, trotzdem folgt die Familie ihrem gestrengen Patriarchen..

KLEINE GERMANEN


2. November um 19.30 Uhr

FSK ab 12 freigegeben

„Kleine Germanen“ macht auf ein kaum aufgearbeitetes Problem unserer Gesellschaft aufmerksam, das mit Blick auf die rechten Gewaltausschreitungen der letzten Zeit aktueller denn je ist: Kinder, die in einem demokratiefeindlichen Umfeld aufwachsen und nach dogmatischen Prinzipien rechtsextremer Ideologie erzogen werden. Der Dokumentarfilm blickt aber auch über die traditionellen Strukturen rechtsextremer Gruppierungen hinaus in einen Teil unserer Mittelstandsgesellschaft, der immer stärker von rechtspopulistischen Strömungen geprägt ist – und konfrontiert den Betrachter mit Protagonisten, die ihre Kinder im Geist einer demokratiefeindlichen Welt erziehen. Die Animationsgeschichte zieht sich als „roter Faden“ durch den Film und erzählt das tragische Leben der persönlich betroffenen Elsa nach: Als Kind hat sie mit dem geliebten Opa Soldat gespielt. Mit ausgestrecktem rechten Arm hat sie „Für Führer, Volk und Vaterland!“ gerufen und war ganz stolz darauf. Heute blickt sie auf eine Kindheit zurück, die auf Hass und Lügen gebaut war und versucht zu verstehen, was diese Erziehung aus ihr und ihren eigenen Kindern gemacht hat.

BLUT MUSS FLIESSEN


4. November um 19.30 Uhr

Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte eines Journalisten, der rechtsradikale Konzerte mit verdeckter Kamera gedreht hat und dabei aufdeckt, wie sehr in dieser Szene Gewalt ein Thema ist.

Mit Nachgespräch mit dem Regisseur Peter Ohlendorf

DER KUAFÖR AUS DER KEUPTSTRASSE


5. November um 19.30 Uhr

FSK ab 0 freigegeben

Als am Nachmittag des 9. Juni 2004 eine Nagelbombe vor dem Geschäft des Frisörs Özcan Yildirim explodierte, waren die Folgen für die Opfer des Anschlags gleich doppelt traumatisch. Sie mussten sich nicht nur mit dem Verbrechen an sich auseinandersetzen, sondern machten die schockierende Erfahrung, selber als Verdächtige von den Ermittlern ins Visier genommen und kriminalisiert zu werden. Mit seinem Dokumentarfilm über die lange nicht mit einem fremdenfeindlichen Hintergrund in Verbindung gebrachte Mordserie der NSU rückt Andreas Maus einen Themenkomplex in den Vordergrund: Der lange Leidensweg der Opfer, der durch den institutionalisierten Rassismus im Ermittlungsapparat mitgetragen wurde.